[WerkBox3] Unsere Gemeinschaft

  • From: "Frederik Franke" <frederik.franke@xxxxxxxxx>
  • To: <werkbox3@xxxxxxxxxxxxx>
  • Date: Fri, 20 Mar 2020 16:25:29 +0100

Liebe WerkBoxler!

 

Vermutlich habe ich vielen von euch in den letzten Monaten spüren lassen,
dass mir - genauso wie den allermeisten von euch - unsere Gemeinschaft sehr
ans Herz gewachsen ist. Umso mehr schmerzt es zu sehen, dass unsere
momentane Mietsituation und unterschiedliche Interessensschwerpunkte diese
Gemeinschaft bedrohen. Einigen von uns wächst die ursprünglich überschaubare
Belastung, die sie durch die Übernahme von Verantwortung auf sich genommen
haben, über den Kopf. Andere sehen ihre Idee nicht verwirklicht und beginnen
grundlegend an ihrer Vision zu zweifeln. Zu all dem kommt nun noch eine
weltweite Krise, die ohne Frage auch Menschen aus unserem Kreis
wirtschaftlich oder gesundheitlich, uns alle aber mindestens emotional
treffen wird.

 

Ab morgen gelten landesweit Ausgangsbeschränkungen - eine Situation, die vor
zwei Wochen für niemanden vorstellbar gewesen wäre. So groß die Opfer die
uns allen nun abverlangt werden auch sein mögen, sie bieten uns auch die
Chance innezuhalten und Gedanken Raum zu geben, für die im hektischen Alltag
vielleicht keine Zeit gewesen wäre.

 

Die WerkBox3 - das sind wir, unsere Gemeinschaft! Eine Gemeinschaft, die vor
allem von ihrer Vielfalt lebt. Was uns verbindet ist nicht viel - es ist der
Wunsch sich kreativ oder handwerklich zu verwirklichen. Dieser Wunsch hat in
stabilen Zeiten ausgereicht, damit wir zusammen gefunden und gehalten haben.
Jetzt, während einer instabilen Zeit, fängt dieser Zusammenhalt - so scheint
es mir - langsam an zu bröckeln.

 

Wenn Menschen die eine eigene Meinung haben, die eine Vision verfolgen, oder
ihren Traum verwirklichen wollen, gemeinsam Veränderungen gestalten, dann
wird es immer auch Konflikte geben. Es wird immer jemanden geben, der durch
die Vision des anderen, seinen Traum in Gefahr sieht. Und es ist gut,
richtig und sinnvoll seine Enttäuschung den anderen mitzuteilen und seinem
Unmut Luft zu machen. Konflikte sind - wenn sie mit Respekt geführt werden -
nichts schlechtes, sie sind der Grundbaustein für Veränderung und
Verbesserung! Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass wir in stabilen
Zeiten eine Gemeinschaft waren, in der jeder vom anderen profitiert hat, die
zusammen gut funktioniert hat, in der wir alle uns wohlgefühlt haben. Auch
wenn die jetzige Situation uns aufwühlt, in uns gar existenzielle Ängste
hervorruft und uns damit an die Grenze unsere Belastbarkeit führt... Es wird
eine Zeit nach dieser Zeit geben, eine Zeit mit mehr Stabilität in der wir
die Möglichkeit bekommen werden, das, was schon immer gut funktioniert hat
beizubehalten und an dem, was besser hätte funktionieren können, zu
arbeiten. Wir werden die Chance bekommen uns neu zu erfinden, gemeinsam
etwas neues aufzubauen, wenn wir jetzt zusammenhalten und die schwierige
Zeit gemeinsam durchstehen.

 

Was es meiner Meinung nach dafür braucht ist nicht viel. Vor allem ist es
die Fähigkeit Rücksicht zu nehmen, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen
und zu versuchen die Situation aus ihrer/seiner Sicht zu betrachten. Das
allein kann Wunder bewirken und Konflikte versachlichen.

 

Lasst uns jetzt gemeinsam an einem Strang ziehen, lasst uns zusammen darauf
achten, dass keine unserer vielen Visionen auf der Strecke bleibt, lasst uns
die unsichere Zeit als Gemeinschaft durchstehen, um danach zusammen etwas
Neues aufbauen zu können - das ist mein Wunsch für uns!

 

Von verschiedenen Stellen wird uns momentan signalisiert, dass wir uns
Hoffnungen machen dürfen, auf dem Kreativquartier neu beginnen zu können.
Auch wenn diese Option mit einigen Risiken verbunden ist, ist es dennoch die
einzige Option, bei der niemand auf der Strecke bleibt. Daher ist es für
mich persönlich die Option, die ich weiterverfolgen möchte. Zeitgleich
werden wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, vielleicht doch noch etwas länger
in unserer jetzigen Halle bleiben zu können - einiges spricht dafür, dass
dies in der momentanen Krisenlage möglich sein könnte. Sollte es keine
andere Möglichkeit geben, werden wir die Option in Betracht ziehen, unsere
Werkstatteinrichtung für einen begrenzten Zeitraum einzulagern, wobei wir
uns natürlich bewusst sind, dass diese Option gerade für die
gewerbetreibenden unter uns mit empfindlichen Einschnitten verbunden ist.

 

Wir werden euch über die Entwicklungen auf dem Laufenden halten und bitten
euch schon jetzt darum, dass ihr euch auch in Zeiten in denen die Werkstatt
nicht genutzt werden darf solidarisch zeigt und weiter zahlendes Mitglied
und Mieter bleibt (wenn euch das eure finanzielle Situation erlaubt).

 

Passt in den nächsten Wochen auf euch auf!

 

Frederik

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