[pkbern] Unter welchen Bedingungen ist Imkern noch ethisch vertretbar?

  • From: Ueli Scheuermeier <uelischeuermeier@xxxxxxxxx>
  • To: pkbern@xxxxxxxxxxxxx
  • Date: Fri, 21 Feb 2020 17:32:34 +0100

ACHTUNG: Ist halt eine lange typische Ueli-Mail. Sofort ghüderen wenn es
nicht interessiert! Es geht mir hier um eine Auslegeordnung zur Frage ob es
je gelingt robuste wilde Honigbienen her zu bekommen. Und wenn das
interessiert, dann machen wir auf dem Leköpersch dafür einen Bereich auf,
nicht hier!
Ueli

Also:

Hoi Dänu,
“Ist Imkern im ländlichen Mittelland überhaupt noch möglich und ethisch
vertretbar?”
Sehr gute Frage!
Ich selbst habe auch 20 Jahre lang geimkert, bis ich wegen meinen vielen
Auslandreisen damit aufhören musste.

Zu Deiner Frage kommt mir folgendes in den Sinn:
1. Ob die Apis mellifera (Honigbiene) überhaupt während der Jungsteinzeit
im CH-Mittelland daheim war, ist soviel ich weiss gar nicht sicher.
Möglicherweise wurde sie erst von den Römern eingeführt. Die Bestäubung der
Obstbäume und der Urgemüse (Kohl, Zwiebel, Lauch, Rübeli, usw) besorgten
seit jeher immer auch unsere wilden Solitärbienen mit ihren mehr als 60
Arten.

2. Am wesens-nächsten ist vermutlich tatsächlich die Trogbeute oder der
Korb. Also Systeme, welche den natürlichen Wabenbau erlauben. Und klar:
Fütterung mit Zucker gehört nicht dazu, wobei rein physiologisch gesehen
verdauen die Bienen den Kristallzucker besser als ihren eigenen Honig!

3. Aber der grösste Hammer ist wohl, dass die wilde Honigbiene schon längst
durch unsere Zuchtbienen ausgekreuzt wurde. Bei der Honigbiene hat der
Albtraum der Auskreuzung einer wilden Art längst stattgefunden: Eine wilde
und an die Begebenheiten vor Ort angepasste Art wird über die offene
Einkreuzung durch Zuchtsorten ausradiert. Offen darum, weil ja die Zucht
der Bienen nie voll kontrolliert werden kann, dh. die frei fliegende
Königin holt sich Drohnen von weiss nicht woher, eben auch die wilden
Drohnen. Das Resultat sind dann eben die Bastarde, die immer weiter auf
Honigleistung und Sanftmütigkeit selektioniert werden, und somit die wilden
angepassten Gene aus der wilden Population ausgemerzt werden. Somit haben
wir gar keine wilden und an unsere Verhältnisse angepassten Honigbienen
mehr. Bei der Kuh und beim Pferd ist die wilde Form wegen Auskreuzung ja
längst ausgestorben (heutige Wildpferde sind ausgewilderte Hauspferde).

4. Was heisst da angepasst an unsere Verhältnisse? Die Varroamilbe ist halt
auch eingeschleppt und grassiert. Dagegen hätten wohl auch die angepassten
wilden Honigbienen keine Strategie gehabt. Mit der Zeit hätten sich wohl
die putzigsten Völker durchgesetzt - aber eben, der Putztrieb wurde der
Honigbiene auch rausgezüchtet.
Und mit den Nikontinoiden in den Spritzmitteln ist das halt auch ein Seich!

5. Und noch was: In gewissen Gebieten ist die Bienendichte mittlerweile
schon so hoch, dass man Angst hat, dass sie sogar den wilden Solitärbienen
das Futter wegschnappen… - habe ich kürzlich gehört.

6. Und:  Wegen der Bestäubung kann man sich auch auf die wilden
Solitärbienen verlassen (ua. auch die Hummeln). Dafür brauchen wir offenbar
die Honigbiene nicht unbedingt, ausser man hat diese grossen Obstplantagen
oder Rapsfelder usw. Also dafür könnte man auch die "Wildbienen" (also
unsere einheimischen Solitärbienen, nicht wilde Honigbienen) gezielt
fördern.

Folglich?
Kommt drauf an was wir wollen. Wenn es darum geht wirklich angepasste
möglichst wilde Honigbienen hinzubekommen, dann müsste man wohl:
A. Eine ganze Region von den Imkern mit Zuchtbienen befreien (das könnten
abgelegene Gebiete wie zB. Naturpark Gantrisch sein, oder aber ganze
Stadtgebiete wie Bern selbst).
B. In dieser Region nur natürlichen Wabenbau zulassen (also ohne Rahmen)
C. Vermehrung ausschliesslich nur über Naturschwärme
D. Und konsequent in der Region auch die Blütentracht vielfältig und
natürlich halten.
E. Und dann jahrzehntelang eine grosse jährliche Verlustrate an Völkern
akzeptieren (wohl weit mehr als 50%) , bis sich die paar Imten
(=Bienenvölker) durchgesetzt haben, welche der heutigen Situation am besten
angepasst sind = survivial of the fittest.
Dann hätten wir wieder wilde Honigbienen, die auch im Wald in einem hohlen
Baumstamm, oder in der Stadt in einem Storenkasten überwintern und im
Frühling schwärmen können.

So sehe ich das aufgrund meines jetzigen Kenntnisstandes. Wäre das Vorgehen
ethisch? Ich denke schon.

Was meinsch?
Ueli
(PS: Wir könnten das auf dem Leköpersch weiter erkunden, nicht hier auf der
pkbern-Liste).

On Fri, Feb 21, 2020 at 8:28 AM daniel remund <danielremund@xxxxxxx> wrote:

Lieber Ueli

Merssi fürs weiterleiten! Seit mehreren Jahren halte ich meine Bienen
Naturnah/wesensgemäss und verzichte auf Honigertrag und die Fütterung mit
Kristallzucker etc.. Meine Erfahrungen sind sehr ernüchternd! Hat jemand
positive Erfahrungen gemacht? Ist Imkern im Ländlichen Mittelland überhaupt
noch möglich und ethisch vertretbar?

Lieber Gruss Dänu
-----------------------------------------------

Daniel Remund
alte Bernstrasse 30a - 3205 Allenlüften BE
 – Permakultur Design –
076 569 34 19 - dremund@xxxxxx


*Gesendet:* Mittwoch, 19. Februar 2020 um 13:31 Uhr
*Von:* "Ueli Scheuermeier" <uelischeuermeier@xxxxxxxxx>
*An:* pkbern@xxxxxxxxxxxxx
*Cc:* guido.voser@xxxxxx
*Betreff:* [pkbern] Fwd: Honigbienenkurs 22.2.2020
Hoi zäme,
Ich leite das grad weiter, für den Fall, dass ihr noch nicht davon gehört
habt. Extensive Bienenhaltung müsste bestens in die PK passen.
Viel Spass!
Ueli

---------- Forwarded message ---------
From: Guido Voser <guido.voser@xxxxxx>
Date: Wed, Feb 19, 2020 at 11:59 AM
Subject: Honigbienenkurs 22.2.2020
To: Ueli Scheuermeier <uelischeuermeier@xxxxxxxxx>

Lieber Ueli

Ich war letzten Donnerstag / Freitag an einem Klotzbeutenworkshop. Diese
seit dem Mittelalter angewandten Technik der nachhaltigen
Honigbienenhaltung wurde von einem WWF - Projekt von Russland nach Polen
und durch Free the bees in die Schweiz gebracht. Wir konnten von zwei
erfahrenen Personen aus Polen das Herstellen einer Klotzbeute erlernen.
Unten habe ich noch den Flyer von dem Honigbienenkurses und Fotos des
Klotzbeutenworkshop den ich besucht habe.
Vielleicht kennst du Personen die an diesem Thema interessiert sind.
Ich wünsche dir alles Gute und bis bald
Guido

*Guido Voser*
Rebzelg 2
3662 Seftigen
Mobil: +41 78 744 60 50



*Natürliche Haltung von Honigbienen. *
Alle die im Permakulturverein sind können den Kurs am Samstag 22.2.2020 
*soviel
bezahlen wie sie können. *

Wichtig: Ihr müsst euch anmelden unter:

*Email:  guido.voser@xxxxxxxxxx <guido.voser@xxxxxxxxxx>*

oder

SMS: 078 744 60 50



*Ausschreibung von Bienenkurs vom 22.2.2020*






*Klotzbeutenherstellung:*




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Donnerstag jeden Monats um 19:00 Uhr Ort:
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