[pkbern] Ist unsere Waldnutzung nicht nachhaltig?

  • From: "David Küpfer" <dmarc-noreply@xxxxxxxxxxxxx> (Redacted sender "david_kuepfer" for DMARC)
  • To: pkbern@xxxxxxxxxxxxx
  • Date: Thu, 28 Nov 2019 19:07:12 +0000 (UTC)

So, ich muss noch einen nachlegen. Mir ist doch da kürzlich beim Aufräumen ein 
Zettel mit Notizen in die Hände gefallen. Ich war mit Dänu am Waldgartenkurs, 
letztes Jahr. Harald Wedig schwärmte so von Peter Wohlleben. Also schaute ich 
mich um, und siehe da, da fand ich in einem Antiquariat für wenig Geld "Der 
Wald". Ich habe mir nicht viel Notizen gemacht, aber ich denke das Folgende hat 
es schon in sich.
Peter Wohlleben (2016):Der Wald. Eine Entdeckungsreise.Heyne, München.

So, nun zu den Notizen:

1. Düngung, Humusabbau, Waldsterben (ab S. 213/14 im Buch)
Bei den Notizen, bei dem Thema geht es um das Waldsterben und mit welchen 
Problemen der Wald so zu kämpfen hat

- Saurer Regen versauert den Boden -> führt zu Nährstoffmangel, Pflanzen können 
Nährstoffe schlecht nutzen, Schadstoffe schädigen Feinwurzeln und Bodenpilze- 
[Boden]Ozon: aggressiver Sauerstoff, schädigt Blätter- Ammoniak, Dünger aus 
Landwirtschaft: Bäume stecken Energie ins Wachstum statt in Krankheitsabwehr. 
Das schnellere Wachstum ist also kein gutes Zeichen- Kalk Pseudo-Lösung (S. 
216): Ein Bauernspruch besagt, Kalk mache reiche Väter und arme Söhne. Was das 
heisst, es fördert hohe Erträge auf Kosten der künftigen Bodenfruchtbarkeit, es 
kurbelt das Bodenleben stark an und führt dazu, dass Pilze und Bakterien den 
Humus in Windeseile verzehren und die freigewordenen Nährstoffe führen zu einem 
Strohfeuer. Sind die Nährstoffe verbraucht,  kann der Boden nicht mehr richtig 
Wasser speichern -> Kalk ist also kein Klimaschutzmittel, sondern ein 
Klimakiller
2. Kohlenkreislauf im Wald und die Nachhaltigkeit (S. 232)
Im Urwald wird Kohlenstoff beim Absterben der Bäume nicht komplett abgebaut, 
ein Teil bleibt intakt und verwahrt im Boden (daraus entsteht irgendwann mal 
Kohle). Bei Kahlschlag wir dieser Kohle-Tresor geplündert, das Licht führt zu 
einer Aktivitätsspitze der Bodenorganismen und zu dessen Abbau. CO2 entweicht 
in die Athmosphäre. Holz hat dadurch keine bessere Ökobilanz als Öl oder Erdgas.
--- Schnipp: Notizen Ende ---

Das mal zum darüber Nachdenken. Es ist recht provokativ und ob das jetzt so im 
Detail stimmt und korrekt ist, das sei mal dahin gestellt. Aber gerade was die 
Nachhaltigkeit angeht, denke ich schon, ist die wichtige Botschaft, dass Holz 
nicht per se gut ist, sondern stark von der Bewirtschaftung des Waldes abhängt. 
Wie gut sind unsere Wälder zwäg? Manchmal habe ich das Gefühl, das ist ein 
echtes Trauerspiel, was man da so sieht.
(und die anderen Themen habe ich auch schon anderswo gelesen, das mit dem Kalk 
fand ich bei Alwin Seifert, der Kompost-Papst mit seinem Kompost neuer Art und 
dem Buch Ackern, Gärtnern ohne Gift, das mit dem Dünger, der nicht gut wäre für 
die Pflanze habe ich unter anderem bei Mokichi Okada bzw. seinem Nature Farming 
gelesen und Masanobu Fukuoka hat ja eine ähnliche Ansicht)

Schön an dem Buch ist auch noch, wie Wohlleben den Zyklus der Buchen im 
Buchenwald beschreibt und ebenfalls nachdenklich stimmt, wie er die 
industrielle Bewirtschaftung der Wälder beschreibt. Er kritisiert die 
industrielle Bewirtschaftung inklusive Bodenverdichtung mit schweren Maschinen 
(sog. Harvestern), wie man sie auch in der Landwirtschaft kennt (was aber wenig 
bekannt ist beim Wald) und die Durchforstung der Wälder am PC mit der Z-Baum 
Methode (Z-Baum: Zukunftsbaum). Besser wäre die alte Plenter-Methode. 
Waldwissen hat dazu einen interessanten 
Artikel:https://www.waldwissen.net/waldwirtschaft/waldbau/betriebsarten/wsl_plentern/index_DE
Das würde jetzt eigentlich auch noch zur Diskussion der Waldnutzung passen und 
tönt schon recht im Sinne der Permakultur. Da hat man langfristig was davon und 
die Artenvielfalt bleibt bewahrt. Schön formuliert finde ich auch die 
abschliessenden Worte im Artikel:
"Die Bauern im Emmental, imSchwarz­wald und im Allgäu konnten plentern ohne je 
eine Forstschule besucht zuhaben. Plentern heisst mit der Natur arbeiten. 
Wichtig ist, die Möglichkeitenzu erkennen, welche die Natur bietet, den Wald in 
die gewünschte Richtung zulenken und sein Potenzial auszuschöpfen. Dabei darf 
die Waldentwicklung nichtzu stark gestört und aus dem Gleichgewicht gebracht 
werden, denn die Grundlagefür die Produktion von Holz soll erhalten bleiben."

Dazu zum Kontrast ein Artikel über Z-Bäume, der zwar positiv tönen soll, aber 
urteilt selbst...
"Noch vor der Auswahl dieser “Zukunftsbäume” sollten Rückegassen angelegt 
werden. Das sind festgelegte Wege in Waldbeständen, auf denen schwere 
Forstmaschinen den Wald befahren können. Würden zuerst die Z-Bäume ausgewählt 
und später Rückegassen angelegt, könnten einige von ihnen im Weg sein und 
weichen müssen. Die Arbeit wäre zumindest in Teilen umsonst gewesen."

https://www.waldhilfe.de/konzept-der-z-baueme/
Das wären also dann auch wieder Gedanken, welche dafür sprechen beim Holz, dass 
man vielleicht darauf achtet, wenn möglich ein guter Teil selbst auf dem 
Grundstück anbauen zu können, will heissen, Bäume und Gebüsch in die Gärten 
integrieren und sie regelmässig beschneiden und Biomasse/Brennstoff ernten.

Das war's vorerst von meiner Seite. Ich wünsche euch einen schönen Abend.David

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