[pkbern] Re: Baum-Tierinteraktionen

  • From: "David Küpfer" <dmarc-noreply@xxxxxxxxxxxxx> (Redacted sender "david_kuepfer" for DMARC)
  • To: pkbern@xxxxxxxxxxxxx
  • Date: Thu, 28 Nov 2019 18:28:55 +0000 (UTC)

 Hallo allerseits,
Das Buch ist wirklich gut, das kann ich bestätigen, aber der Preis ist happig, 
wenn man bedenkt, dass es mal 35 Euro kostete (was natürlich schon sehr günstig 
war für ein solches Buch). Damals, als ich es kaufen wollte (ich glaube das war 
im 2012), da war es vergriffen und es dauerte Jahre bis zur Neuauflage. So habe 
ich das Buch bis heute nicht selbst.
Aber es gibt noch eine Option, man kann es sich ausleihen in einer Bibliothek. 
Die Universitätsbibliotheken sind meines Wissens zusammengeschlossen, auch mit 
den Fachhochschulen, da sollte man es bekommen. Die Mitgliedschaft ist 
kostenlos. Ich hatte mir damals das Wichtigste kopiert.
So quasi der kleine Bruder von Laubgeschichten ist das Buch "Hecken" von Peter 
Kurz, Michael Machatschek und Bernhard Iglhauser und kostet etwa 30 Franken. 
Ferner gäbe es noch ein Buch über Alleebäume, das etwas teurer ist, das ich 
aber nicht kenne und ebenfalls sehr interessant sind die Bücher der Reihe 
Nahrhafte Landschaft, davon gibt es 4, ich habe Band 1 und 2. Diese gehen 
stärker auf die Nutzung ein, behandeln aber jeweils nur einige einzelne 
Pflanzen oder eine Pflanzengruppe, teilweise auch Pilze oder Flechten. Band 1 
widmet fast 60 Seiten der Baumnutzung (inklusive Schneitelbäume und Efeu/Eb-Heu 
als "Schaf- und Ziegenfutter" und als "lebendige Apotheke") und dann noch 
einige Seiten dem Thema Wildobst. 

oder auchhttps://www.haupt.ch/Hueeterbueb-und-Heitistraehl-h.html>Was ich 
verrückt finde, das Buch kann man kostenlos herunterladen. Es gibt zudem dazu 
noch eine DVD, die man sich beim WSL bestellen 
könnte:https://www.wsl.ch/eshop/product_info.php?products_id=216

PS In meinem Tessiner Projekt fressen die Rehe so ziemlich alles was Ihnen in 
den Weg kommt und für Sie erreichbar ist. Granatapfel meiden sie aber.
Ja Rehe sind auch recht robuste Kostverwerter.


PK-Grüsse an alle,
David

    On Thursday, 28 November 2019, 17:32:34 CET, Lis Daniel Martin 
<daniel.lis@xxxxxx> wrote:  
 
 
Hallo zämä




Zum Thema Blätter und Äste als Tierfutter kann ich folgende Literatur empfehlen:

Machatschek, Michael

Laubgeschichten

Gebrauchswissen einer alten Baumwirtschaft, Speise- und Futterlaubkultur
https://www.degruyter.com/viewbooktoc/product/441612






oder auchhttps://www.haupt.ch/Hueeterbueb-und-Heitistraehl-h.html

| Hüeterbueb und Heitisträhl | Haupt - Bücher online 
kaufenwww.haupt.chHüeterbueb und Heitisträhl - Die Nutzung des Waldes in der 
Schweiz hat sich in den letzten 200 Jahren grundlegend verändert. Noch um 1800 
waren im Wald die Ziegenweide und die Gewinnung von Viehfutter |

Liebe Grüsse





Daniel




PS In meinem Tessiner Projekt fressen die Rehe so ziemlich alles was Ihnen in 
den Weg kommt und für Sie erreichbar ist. Granatapfel meiden sie aber.

Den Schafen auf dem Hof3 in Trubschachen lege ich jede Woche etwas anderes zum 
Znüni vor. Derzeitige Topliste der Schafe: Sanddorn und der Rückschnitt von den 
Apfelbäumen oder in der Not auch junge Apfelbäume :-)

Von: pkbern-bounce@xxxxxxxxxxxxx <pkbern-bounce@xxxxxxxxxxxxx> im Auftrag von 
David Küpfer <dmarc-noreply@xxxxxxxxxxxxx>
Gesendet: Mittwoch, 27. November 2019 23:38:48
An: pkbern@xxxxxxxxxxxxx
Betreff: [pkbern] Re: Baum-Tierinteraktionen Liebe Ueli, hallo zäme,
du hast mich jetzt wirklich überrascht, was du da beschreibst ist total 
spannend. Wir hatten in der Vergangenheit tatsächlich schon etwas ähnliches 
ausprobiert. In meiner Jugendzeit hatten wir viele Meerschweinchen und ich 
hatte Degus, also Haustiere/Nagetiere, wie man sie so als Kinder hat, die 
nebenbei noch ganz nützlich waren, da sie die Rüstabfälle vom Gemüse 
verwerteten und guten Dünger für den Kompost lieferten. Die Meerschweinchen 
fanden schon ziemlich schnell ihren Weg nach draussen in den Garten, zuerst 
bekamen sie tagsüber Freilauf in einem mobilen Käfig, der auf die Wiese 
gestellt wurde, später gab es ganze Aussengehege. Bei den Degus, welche als 
heikle Exoten galten und man sagte, die vertragen keine Kälte, Nässe usw. da 
dauerte es etwas länger, aber die Aussenhaltung in einem naturnah bepflanzten 
Gehege waren natürlich ein riesiger Schritt vorwärts. Mit der Haltung musste 
natürlich auch die Ernährung sich angleichen, Trockenfutter und was man so 
kauft, das fühlte sich halt bald irgendwie nicht richtig an und das war bei mir 
damals der Grund, dass ich anfing mich mit den Pflanzen zu beschäftigen, 
insbesondere was man an Tiere so verfüttern kann. Während man bei den 
Meerschweinchen noch einiges findet, was man so füttern kann... aber auch da 
war die Liste etwas beschränkt und ich merkte, als ich mich anfing mit den 
Giftpflanzen zu beschäftigen, dass wenn man da genau recherchiert zu einzelnen 
Pflanzen, trifft man häufig dann irgendwann auf einen Inhaltsstoff, der 
kanzerogen sei oder sonstwie schädlich und konsequent zuende gedacht könnte man 
dann fast gar nichts füttern. Auch das fühlte sich für mich damals nicht 
stimmig an und war der Grund, dass ich mich intensiver mit Giftpflanzen 
auseinandersetzte. Ich fasse es kurz, Tiere und Pflanzen haben sich im Laufe 
der Evolution aneinander angepasst, was Frasschutzstoffe und Abwermechanismen 
gegen jene angeht, sprich so quasi ein kleines Hochrüsten und das Thema ist 
absolut faszinierend, da tun sich Welten auf, was es da an Möglichkeiten gibt, 
was aber definitiv den Rahmen sprengen würde. 

Nur zwei Beispiele will ich geben als kleiner Einblick in die Reichweite des 
Themas: erstens das Efeu oder Eb-Heu wie es früher genannt wurde, und da das 
Heu drin steckt, liegt die Vermutung nahe, dass man das früher verfüttert hat. 
Den Bauern diente es als Notfutter im Winter für Ziegen und Schafe. Das zweite 
Beispiel fand ich noch verrückter, es gab etwa in den 1920er Jahre eine 
Untersuchung von Jatrides über die Eibe, dass diese offenbar von Kaninchen nach 
einer Gewöhnungsphase gefressen werden kann und sie scheinen es zu vertragen. 
Mit eigenen Augen sah ich später in einem Stadtpark nahe am Bahnhof von 
Braunschweig, dass bei einer dort bekannten Wildkaninchenpopulation die Zweige 
angefressen waren, bei einem Zweig lief sogar Saft aus der Pflanze, er musste 
noch recht frisch sein. Auch hier schienen sich die Kaninchen bedient zu haben. 
Die Schwierigkeit ist dann natürlich, was macht man mit so einer Information, 
der Rat man könne das jetzt füttern, kann durchaus schief gehen. Über die 
Kaninchenhaltung konnten wir aber viel lernen. Während viele Tierhalter ohne 
Bezug zu Landwirtschaft oder ländliches Leben mit Nutztieren im Thema Ernährung 
eher übervorsichtig sind (je mehr sie wissen, desto vorsichtiger sind sie) und 
gerne auch mal eine Wiese absuchen, dass da ja nichts giftiges darauf wächst, 
war bei uns der Ansatz umgekehrt, dass die Tiere ein breites Angebot haben 
sollen und da die meisten Giftpflanzen nicht so stark giftig sind, diese gerne 
auch auf der Wiese wachsen durften. Letztlich sollen die Tiere selbst die Wahl 
haben, solange genug wächst, was für sie gut verträglich ist und sie nicht zu 
einer problematischen Pflanze greifen müssen aus Mangel an geeigneter Nahrung 
(was bei Überweidung schon mal passieren kann, gerade wenn dann die unbeliebten 
Pflanzen Überhand nehmen).
Aber zurück zum Thema, wir hatten damals für die Meerschweinchen im Herbst 
Weide geschnitten, sie zu Bündel zusammengebunden und dann draussen für den 
Winter gelagert. Damit wurde dann durch den Winter ihr Speiseplan ergänzt. Ich 
selbst nutzte die Möglichkeit, da es bei uns meist relativ mild war im Winter, 
auch bei grosser Kälte Pflanzen sammeln gehen, meist wuchs schon noch einiges 
an Gräsern, Taubnesseln und das eine oder andere sonstige Kraut.

Die Schneitelung war bei uns ebenfalls ein Thema, da wir im Garten auch 
Haselsträucher hatten und die regelmässig schnitten und das dann fütterten. Ich 
wusste damals aber nicht, dass es dafür einen Begriff gibt. Später habe ich 
mich über Michael Machatschek tiefer in das Thema eingelesen und mich mit 
anderen Tierhaltern darüber ausgetauscht. Bei Interesse könnte ich da natürlich 
schon noch etwas in die Tiefe gehen, wobei man die Erfahrungen wahrscheinlich 
noch am ehesten auf Kaninchen übertragen kann, wer jetzt sich überlegt, z.B. 
Ziegen oder Schafe zu halten und was er ihnen füttern könne, da kann nicht 
dienlich sein, ausser dass ich durch meine Recherchen gelernt habe, dass diese 
relativ robust sein sollen, wenn sie natürlich ernährt werden und eine gute 
Auswahl an Nahrung haben, dass sie sich nicht so schnell vergiften würden an 
irgendwelchen Pflanzen. Eher verschmähen sie es, weil es halt nicht wirklich 
schmeckt.
Die Methodik, welche ich damals gerne verwendete, war ein beobachtender Ansatz, 
bei dem ich verschiedene gut verträgliche Strauch- und Baumsorten in Form von 
Zweigen anbot, meist mit Laub und dazu oft dann aber auch in kleinen Mengen 
noch was, das als leicht oder mässig giftig galt oder als problematisch oder 
unbeliebt. Das wurde zwar meistens nicht gefressen, es gab aber auch die eine 
oder andere Überraschung (wobei die Überraschung meist eher darin lag, dass ich 
mich nicht so gut informierte und nur vom hören sagen hörte, dass eine Pflanze 
problematisch oder giftig wäre und deshalb gar nicht verfüttert werden dürfe, 
was für mich aber meist den Anreiz gab, da genauer hinzuschauen und wenn ich 
keine Hinweise fand, dass sie stark giftig wäre, dann gab es oft dann solche 
Testfütterungen).

Abschliessend zu diesem Thema möchte ich sagen, dass Kaninchen und 
Meerschweinchen unterschätzte Tierarten sind für den Permakultur-Garten, gerade 
für Hausgartenprojekte, wo nicht so viel Platz da ist. Kaninchen bekommen zwar 
leider meist viel zu wenig Platz (von der Auslaufgrösse sollte man schon etwa 
in der Grösse denken, die man bei Hühnern einrechnet, und es wäre da auch 
möglich ein Stück Wiese mit Elektrozaun abzuzäunen), aber Pflegeaufwand und 
auch die Suche nach Leute, die die Tiere füttern können, wenn man in den Ferien 
ist, geht da wahrscheinlich etwas einfacher. Meerschweinchen sind wiederum sehr 
unkompliziert in der Haltung und man kann sie selbst in der Wohnung mit recht 
improvisierten Methoden halten, z.B. eine Kunststofffolie auf dne Boden, 
darüber Einstreu, die Seitenwände mit Holz oder robustem Karton improvisieren 
kann unter Umständen schon ausreichen. Nahezu jedes andere Nagetier würde aus 
so einer Unterkunft ausbrechen, Meerschweinchen scheinen aber durch ihre 
Domestikation genau auf solche Haltungsbedingungen sich angepasst haben. Der 
Nachteil ist natürlich, bei Wachteln oder Hühner etc. gäbe es noch Eier zum 
Nutzen, das fällt bei Kaninchen und Nagetieren natürlich weg. Wer die Nutzung 
im Blick hätte, der könnte vielleicht noch ein Interesse an Angora-Kaninchen 
haben, deren Haare man weiterverwenden kann, was allerdings ziemlich 
arbeitsintensiv sein soll. Es wäre zudem eine seltene Rasse, die heute meines 
Wissens in Erhaltungsprogrammen gelandet ist, da die Nutzung der Wolle nicht 
mehr attraktiv ist und andere Trends in der Rassenzüchtung in Mode sind (und 
die Mode wechselt sich entsprechend auch schnell wieder). Mein Eindruck ist, 
dass dieses Thema zu Unrecht ein Schattendasein fristet. Gerade wer eine 
Familie hat, der könnte da zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, etwas 
halten, das den Kindern Freude macht und wo sie lernen können Verantwortung für 
ein Lebewesen zu übernehmen (sobald sie dafür ein gewisses Alter haben) und 
andererseits kommt was hinten raus für den Kompost und man kann Gemüseabfälle 
weiter verwerten, sie zu gutem Dünger verwerten. Ein dritter Vorteil fällt mir 
noch ein, Meerschweinchen sind recht populär und sie sind nichts 
ungewöhnliches, sowohl wenn man eine Mietwohnung hat, kann man sie problemlos 
halten (bei Ziegen oder Schafen oder auch Geflügel weiss ich nicht, wie das 
rauskäme, vorallem wenn man eher in der Agglomeration oder Stadt wohnt) und 
andererseits ist die Haltung und die Fütterung recht unkompliziert und die 
Warhscheinlichkeit ist recht gross, dass man jemanden im Freundeskreis findet, 
der Urlaubvertretung machen könnte.

Also, denkt darüber nach, Tiere in die PK Systeme bringen... ;)David

On Tuesday, 26 November 2019, 21:21:27 CET, Ueli Scheuermeier 
<uelischeuermeier@xxxxxxxxx> wrote:

HASEL IST FUTTER
Hoi zäme, 
Vor Jahren hat mir mal ein alter Bauer im Emmental eine Erklärung gegeben, 
warum die alten Hecken fast ausschliesslich nur Haseln sind. Als Heckenpfleger 
dachte ich immer, das sei vom schwendten (bodeneben abhauen), und weil Haseln 
kräftig ausschlagen, verdrängen sie mit den Jahren alle anderen Heckenarten. 
Das mag sein, aber es passt auch in die damalige Nutzung:
Va. arme Leute ohne Land, aber einer Geiss oder zwei daheim, hätten im 
Juni-Juli belaubte Haselstecken geschnitten und dann mit Garbenschnüren 
gebündelt und unter dem Dach aufgestellt.
Das Laub vertrocknete am Stängel. 
Im Winter habe man die Bündel den Geissen gegeben. Die hätten dann die dürren 
noch grünen Blätter gefressen, aber auch an der Rinde geknabbert. Und was sie 
übrigliessen war dann auch grad Feuerholz für die Küche…….
Also hat man die armen Tauner-Leute eben die Haselstecken ernten lassen für 
ihre Geissen, weil das erhielt die Hecken gegen die Erosion. Und diese Leute 
haben natürlich rigoros jedes Dorngestrüpp in ihren Haselhecken ausgemerzt.
Später in Nepal habe ich doch haargenau dieselbe Technologie gesehen, 
allerdings ohne den Trocknungsschritt und natürlich nicht Hasel. Und Geissen…… 
die mögen Blätter, bis sie eben “mag kein Blättli meeeeh”. Noch extremer sind 
sie auf Knospen aus.
Also Hasel als Futter! 
Ueli
On Tue, Nov 26, 2019 at 2:29 PM Ueli Scheuermeier <uelischeuermeier@xxxxxxxxx> 
wrote:

Hoi zäme, 
Hier tauschen wir aus über die Erfahrungen, Mechanismen und Theorie von wie 
Bäume und Nutztiere interagieren.
Zur Geschichte der Wald-Tiernutzung gäbe es einen Cheib voll zu erkunden, 
angefangen in der Jungsteinzeit über die Umweltkatastrophen Mitte des 19ten 
Jahrhunderts, welche zum Waldgesetz 1875 führten, bis zur heutigen Unternutzung 
der Wälder und der heutigen Tatsache, dass es im schweizerischen Wald so viele 
wilde Paarhufer hat wie seit der Eiszeit nie….. - allerdings (noch) nur kleine.
Oder wir könnten über die traditionellen Systeme reden, wie eben die Wytweiden 
im Jura, die Selven im Tessin (übrigens beide explizit im Forstgesetz definiert 
und reglementiert).

Aber mich interessiert jetzt primär folgendes: 
Wer hat Erfahrungen oder Information zu Futterbäumen, Schneitelbäumen, usw für 
Tierfütterung?

Merci
Ueli
  

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