[pkbern] Re: Baum-Tierinteraktionen

  • From: Ueli Scheuermeier <uelischeuermeier@xxxxxxxxx>
  • To: pkbern@xxxxxxxxxxxxx
  • Date: Tue, 26 Nov 2019 21:26:35 +0100

HASEL IST FUTTER
Hoi zäme,
Vor Jahren hat mir mal ein alter Bauer im Emmental eine Erklärung gegeben,
warum die alten Hecken fast ausschliesslich nur Haseln sind. Als
Heckenpfleger dachte ich immer, das sei vom schwendten (bodeneben abhauen),
und weil Haseln kräftig ausschlagen, verdrängen sie mit den Jahren alle
anderen Heckenarten. Das mag sein, aber es passt auch in die damalige
Nutzung:
Va. arme Leute ohne Land, aber einer Geiss oder zwei daheim, hätten im
Juni-Juli belaubte Haselstecken geschnitten und dann mit Garbenschnüren
gebündelt und unter dem Dach aufgestellt.
Das Laub vertrocknete am Stängel.
Im Winter habe man die Bündel den Geissen gegeben. Die hätten dann die
dürren noch grünen Blätter gefressen, aber auch an der Rinde geknabbert.
Und was sie übrigliessen war dann auch grad Feuerholz für die Küche…….
Also hat man die armen Tauner-Leute eben die Haselstecken ernten lassen für
ihre Geissen, weil das erhielt die Hecken gegen die Erosion. Und diese
Leute haben natürlich rigoros jedes Dorngestrüpp in ihren Haselhecken
ausgemerzt.
Später in Nepal habe ich doch haargenau dieselbe Technologie gesehen,
allerdings ohne den Trocknungsschritt und natürlich nicht Hasel. Und
Geissen…… die mögen Blätter, bis sie eben “mag kein Blättli meeeeh”. Noch
extremer sind sie auf Knospen aus.
Also Hasel als Futter!
Ueli

On Tue, Nov 26, 2019 at 2:29 PM Ueli Scheuermeier <
uelischeuermeier@xxxxxxxxx> wrote:

Hoi zäme,
Hier tauschen wir aus über die Erfahrungen, Mechanismen und Theorie von
wie Bäume und Nutztiere interagieren.
Zur Geschichte der Wald-Tiernutzung gäbe es einen Cheib voll zu erkunden,
angefangen in der Jungsteinzeit über die Umweltkatastrophen Mitte des 19ten
Jahrhunderts, welche zum Waldgesetz 1875 führten, bis zur heutigen
Unternutzung der Wälder und der heutigen Tatsache, dass es im
schweizerischen Wald so viele wilde Paarhufer hat wie seit der Eiszeit
nie….. - allerdings (noch) nur kleine.
Oder wir könnten über die traditionellen Systeme reden, wie eben die
Wytweiden im Jura, die Selven im Tessin (übrigens beide explizit im
Forstgesetz definiert und reglementiert).

Aber mich interessiert jetzt primär folgendes:
Wer hat Erfahrungen oder Information zu Futterbäumen, Schneitelbäumen, usw
für Tierfütterung?

Merci
Ueli

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