[pkbern] Alleebäume als PK-Produkt?

  • From: Ueli Scheuermeier <uelischeuermeier@xxxxxxxxx>
  • To: pkbern@xxxxxxxxxxxxx
  • Date: Wed, 6 Nov 2019 17:04:50 +0100

Hoi zäme,
Kürzlich mit Thomas Mäusli diskutiert. Er ist der Chef der “Produktion” von
Stadtgrün Bern im Werkhof in der Elfenau.

Er gibt mir folgende erstaunliche Information:
1. Die Stadt setzt pro Jahr um die 200 Alleebäume an Stassen und
öffentlichen Plätzen usw. Tendenz vermutlich steigend mit den zukünftigen
Bemühungen wegen Klima und Biodiversität.

2. Das müssen selbstverständlich “geschulte” Bäume sein, dh:
-    spätestens jedes zweite Jahr ausgraben und an anderem Ort neu
pflanzen. Weil: Damit entwickelt sich ein Wurzelballen, wo dann genug
frische neue Wurzeln verfügbar sind, womit sich der Baum ernähren kann wenn
er dann ins Loch in der Allee gesetzt wird. Würde man einen 8-jährigen Baum
aus dem Wald einfach so ausgraben und versetzen würde man zuviele grosse
Wurzeln abhauen, und es sind dann zuwenige da um den Baum am Leben zu
erhalten.
-    erzogen, dh. gerader Stamm bis auf ca. 2m, und dann anständige
Astverteilung für eine anständige Krone.

3. Solche Bäume sind meistens 8-jährig bevor sie an den endgültigen
Standort kommen.

4. Die Stadt produziert nur etwa die Hälfte der Bäume die sie jedes Jahr
braucht. Sie produziert selbst nicht mehr, weil zu aufwändig und zu wenig
Platz. Also muss sie im Schnitt 100 Alleebäume pro Jahr einkaufen.

5. Jetzt der Hammer: Sie finden keine Baumschulen in der Region, die ihnen
genug geeignete Bäume verkaufen. Geeignet heisst: Sie möchten wo immer
möglich lokale Baumarten, und davon auch die lokalen Typen - aber leider
bekommen sie dann Eichen aus Polen oder Ahorne aus Holland, usw.

6. Den hiesigen Baumschulen ist es offenbar zu aufwändig für die Stadt
Alleebäume zu produzieren, folglich der zweite Hammer: Die hiesigen
Baumschulen importieren die Bäume eben aus Polen oder Holland, schlagen sie
3 Wochen bei sich ein - worauf sie die Bäume schon als “Schweizerware”
verkaufen dürfen. Der SGB ist das nicht Recht, aber sie haben keine Wahl.
Es werden schlicht zu wenig lokale Bäume angeboten.

7. Auf die Frage ob die Stadt zertifiziert lokale Bäume kaufen würde, kam
klar die Antwort von Thomas: Ja. Und pro Baum gibt es 800 Franken (Stand
2019).

GOPF!
Was mir nicht in den Kopf will ist, warum das so aufwändig sein soll. Klar,
eine Eiche 8 Jahre lang so zu pflegen, dass sie dann tauglich ist, das ist
nicht ganz ohne, und da braucht es auch Fachwissen, resp. Fachkönnen. Und
das kann man lernen. Also, abgesehen davon, ist mir immer noch nicht klar
was da so aufwändig sein soll. Der lange Schnauf bis man an Geld kommt? Das
teure Land, welches man so lange dafür hergeben muss?

PK ahoi:
Wenn wir das mal aus PK-Sicht anschauen, dann kann ich mir folgendes
vorstellen:
A. Die Produktion solcher Alleebäume müsste sich doch ideal mit intensiven
Kulturen auf derselben Fläche kombinieren lassen, wenn man schon alle Jahre
ausgraben und neu einlochen muss. Die Bäume haben kleine Kronen, und die
Stämme selbst wie auch die notwendigen Stützpfosten wären ideale
Kletterhilfen für rankendes Zeugs.
B. Schon nur jedes Jahr einen neuen Baum in einem Garten, ergibt 8 Bäume
unterschiedlicher Grösse im Garten verteilt. Und dafür gibt es jedes Jahr
800.- aufs Konto. Bei 2 Bäumen pro Jahr 16 Bäume und 1'600 auf Konto… usw.
C. Die Stadt will nicht einzelne Bäume zusammensuchen. Na und?: Die
PK-Gärtner in und um Bern könnten sich zusammentun und gemeinsam der Stadt
pro Jahr zB. 20 Eichen verkaufen. Das wird man auch lange zum voraus planen
und zusichern können!
D. Und dafür müsste man sich mal bei SGB ausbilden lassen, was es braucht,
damit ein Baum entsteht, den sie kaufen können.
E. Und somit ein Dienst von uns PK-isten und der SGB an die
Stadtbevölkerung: Biodiversität steigern mit einheimischen Bäumen im
Stadtgebiet - einheimisch nicht nur in der Spezies, sondern auch genetisch
aus der Region stammend, womit erhöhte Resilienz und Biodiversität.

Was meint ihr? Mich würde das reizen. Vielleicht auch in der Hostet…..
Ueli Scheuermeier

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