[archimedes] Re: Bezahlungen per Karte / Bar - War:- Systemdisc von Piccolosystems

  • From: Raik Fischer <raik_fischer@xxxxxxxx>
  • To: archimedes@xxxxxxxxxxxxx
  • Date: Mon, 19 Feb 2018 20:52:40 +0100

Am 19.02.2018 um 20:13 schrieb Steffen Huber:

Endlich mal wieder ein politisches Thema :-)

"G. Hönsch" <infovk10@xxxxxxxxxxx> hat am 19. Februar 2018 um 17:39
geschrieben:


Hi,

für mich ist Bargeld gelebte Freiheit. In beiden Bereichen, im Unbaren
und auch im Baren kann man übervorteilt werden.
Manche Bereiche machen unbar (geschützt, versichert) durchaus Sinn
(besonders, wenn es um recht große Beträge geht). Deshalb sollte man
aber nicht generell die Freiheit durch Bargeld leichtfertig aus der Hand
geben.

Da stimme ich insgesamt zu. Die Idee, Bargeld zu verbieten, kann
nur von Politikern mit ausgeprägtem Überwacher-Gen kommen. Die
überaus schwachen Begründungen für einen solchen Schritt sprechen
Bände.

Freiheit = Wahlfreiheit...

Die Begründungen sind tatsächlich dünn.
Kontolle passt da eher :-(


Ich bezahle alles, was irgendwie geht mit Bargeld, genauso, wie diverse
andere meiner Bekannten, die verstanden haben, wie wichtig Bargeld ist.

Ich bezahle nur dort mit Bargeld, wo nur Bargeld akzeptiert wird.
Viel zu unpraktisch und unsicher.

Bein "Kleinbeträgen" ist mir Karte zu unpraktisch.

Im Unbaren wird übrigens in Größenordnungen mehr betrogen/hinterzogen,
als im Baren. (Das bisschen Steuerhinterziehung im Baren ist lächerlich!)

Da habe ich jetzt keine Daten dazu, bin mir aber sehr sicher,
dass insbesondere im Bereich der Gastronomie vorsichtig gesprochen
nicht jeder Bar-Euro in der Steuererklärung landet.

Die letzten zehn Bratwürste des Tages werden "weggeworfen" und am nächsten Tag verkauft, bevor die Kasse "offen" ist ;-)

Der wichtigste Grund für jene, die ständig (Propaganda!) von unbaren
Transaktionen sprechen und dazu auffordern, ist der, dass man unbare
Transaktionen (des kleinen Mannes) wunderbar nachvollziehen kann (der
gläserne Verbraucher!).

Kontrolle und "Bestrafung" werden auch einfacher...


Wenn Datenschutz ernst genommen wird, ist das Nachvollziehen
dieser Transaktionen für Dritte sehr sehr schwierig. Leider
hat sich der Staat da ein paar unschöne Sonderrechte
herausgenommen, was ein ungutes Gefühl hinterlässt.

Ja.

Warum hat damals wohl die Deutsche Bank die Postbank gekauft? Nicht weil
das Unternehmen so super profitabel war, sondern weil es an die vielen
Kundendaten dran wollte.

Die genauen Beweggründe werden wir wohl nie erfahren, aber die
Deutsche Bank war - insbesondere seit dem Über-Flop "Deutsche
Bank 24" - im Privatkundengeschäft eher schwach aufgestellt.
Die Postbank hingegen sehr stark. Die Übernahme hat sicher
Sinn gemacht, auch wegen des Kundenstamms.

Nach meinem DB Betreuer ging es vor allem um den Privatkundenstamm.


Aus den Überweisungen kann man wundervolle
Rückschlüsse ziehen (und mit den Daten lässt sich wunderbar handeln!).

Allerdings nicht für Banken. Die Bankenaufsicht und der
Datenschutz sind da extrem streng, die möglichen Strafen
extrem hoch. Die Finanzbranche ist nahe an der Totregulierung,
da handelt man nicht mit Daten.

Mit der PSD2 (Payment Services Directive 2) wird seit 1.1.18 die
geballte potenzielle Konten-Transparenz auf den europäischen Raum
ausgerollt. Im Gefolge dieser Directive werden sicherlich diverse
weitere Bargeldeinschränkungen kommen.

Verstehe ich jetzt nicht, wo siehst Du einen Zusammenhang zwischen
PSD2 und Bargeldeinschränkungen?

PS. Das mit den Zahlendrehern in einer Überweisung ist meines Erachtens
übrigens Betrug am Verbraucher. Es ist noch gar nicht so lange her, da
wurden alle Überweisungen überprüft (Stimmen Kontoinhaber und
Kontonummer überein?).

Doch, laut Auskunft von Bankangestellten ist das sogar schon extrem
lange her. Über 30 Jahre nach meinem Kenntnisstand.

Das hat man mit der Einführung der IBAN schlicht eingespart.

Ich weiß nicht, ob sich an den Prüfverfahren was geändert hat,
aber da die IBAN bekanntlich eine Checksumme beinhaltet,
kann ein Zahlendreher dort schwerlich vorkommen. Die IBAN mag
schwerer zu merken sein, ist gegenüber Kontonummer+BLZ aber
ein deutlicher Fortschritt, nicht nur aufgrund der Vereinfachung
des europäischen Zahlungsverkehrs.

Meine direkten Kenntnisse sind schon einige Jahe alt. Vor IBAN.
Fall1: Unsere Buchalterin hat genau das getan. Zwei Zahlen in der Kontonummer vertauscht. Das Konto gab es und das Geld war weg. Die Zielbank ist nicht vepflichtet, so der Richter, den Kontoinhaber zu nennen. Bankgeheimnis ging über Eigentum. Selbst schuld, weil Sorgfaltspflicht verletzt.
Fall2: Betrag auf einen falschen Geschäftspartner überwiesen. Bevor der Fehler bemerkt wurde, war das Geld abgehoben und "ausgegeben". Auch hier musste der falsche Empfänger das Geld nicht zurückgeben.

Mein Kundenberater sagte mir auf Rückfrage, daß es genau so Praxis ist. Bei eigenen Überweisungen liegt die Haftung i.d.R. beim Versender.

Raik

--
"Die Leute sind gar nicht so dumm, wie wir sie durch das Fernsehen noch machen werden." (Kuhlenkampff)

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